Die Preisverleihung

Neubrandenburg: Tobias Reußwig gewinnt den Literaturpreis M-V 2020

Der gebürtige Hagener und Wahl-Greifswalder Tobias Reußwig wird für seinen Gedichtzyklus Der Körper lügt mit dem diesjährigen Literaturpreis M-V von der Jury ausgezeichnet. Der Preis umfasst einen einmonatigen Arbeitsaufent­halt im Künstlerhaus Lukas im Oktober 2021 sowie ein Stipendiengeld in Höhe von 3.000 Euro. Angestrebt wird außerdem eine Lesereise durch verschiedene literarische Intitutionen Mecklenburg-Vorpommerns. Die Jury begründete ihre Wahl des Gewinners wie folgt: „Der Erfahrungsraum, der hier beschrieben wird, ist so reichhaltig an philosophischen, naturwissenschaftlichen, kulturellen, religiösen und historischen Bezügen, dass er bei mehrfachem Lesen immer wieder Neues, Erstaunliches entdecken lässt“.

Die drei Publikumspreise, dotiert mit 1000, 500 und 300 Euro, wurden vergeben an Peter Thiers (1. Publikumspreis) für seinen Text Oasen der Rechtwinkligkeit, Theresa Steigleder (2. Publikumspreis) für ihre Kurzprosatexte, u. a. Regenrinne, und ebenfalls an Tobias Reußwig (3. Publikumspreis) für Der Körper lügt.

Die Veranstaltung wurde aufgrund der aktuellen Bedingungen per Livestream zur Verfügung gestellt. Neben den ca. 30 Anwesenden, die unter strengen Hygienemaßnahmen die Lesungen in Präsenz verfolgen konnten, wohnte ebenfalls ein Publikum im dreisetlligen Bereich den Lesungen und der Preisverleihung in virtueller Form bei. Über 400 Zuschauer:innen stimmten insgesamt für die Publikumspreise online ab.

Alle drei Preisträger:innen nahmen zuvor mehrfach am POETENCAMP M-V, einem Schriebseminar für junger Autor:innen, teil. Das POETENCAMP M-V wird vom Literaturhaus organisiert und gehört zum Nachwuchskünstlerförderprogramm des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft udn Kultur des Landes M-V.

Ermöglicht wird der Literaturpreis M-V durch die Förderung des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern sowie durch einen privaten Sponsor. Die Organisatoren des Preises bedanken sich für die Unterstützung der Literatur in und aus Mecklenburg-Vorpommern.


Rückblick zum Literaturpreis M-V 2020

Schon mittags herrscht reges Treiben im Neubrandenburger Latücht. Bereits zum vierten Mal wurde der Literaturpreis Mecklenburg-Vorpommern ausgeschrieben, trotzdem war dieses Jahr vieles anders. Die Zuschauerzahl vor Ort war Corona-bedingt stark begrenzt, so dass die Preisverleihung erstmals auch live gestreamt wurde und per Online-Voting abgestimmt werden konnte. Um das zu gewährleisten, wurden Kabel „verlegt“, Kameras aufgestellt, Licht und Ton geprüft, noch einmal der Schweiß von der Stirn gewischt … Rechtzeitig zum Soundcheck der Finalist:innen stand dann alles. Es war für die sechs Autor:innen ein Wiedersehen wie auch ein Kennenlernen von Gleichgesinnten. Jeder auf seine/ihre Weise aufgeregt, im eifrigen Austausch miteinander befindlich oder im mediativen In-sich-Gehen.

Dieses Jahr fand die Preisverleihung erstmals in der Vier-Tore-Stadt statt. Eine Gute Wahl, wie uns der stellvertretende Oberbürgermeister Peter Modemann, nach Begrüßungsworten der Institutionen hinter dem Literaturpreis Mecklenburg-Vorpommern, bestätigte, denn Neubrandenburg „versteht sich als Literaturstadt“. Noch einmal wurde durchgeatmet, und nach vorheriger Auslosung der Lesereihenfolge lasen die Finalist:innen ihre eingereichten Texte vor. Anke Bastrop, Peter Thiers, Theresa Steigleder, Nina Pohl, Louise Gold und Tobias Reußwig nahmen uns in die unterschiedlichsten literarischen Welten mit. Wir vernahmen lyrische Bekenntnisse zur Macht der Liebe, hörten Welten verwebende Geschichten, Alltagsbeobachtungen, Eindrücke von Anzugmännern und Cowboys, einen Bericht von ungewollter Berühmtheit eines „Künstlers“ und mussten erkennen, dass der „Körper lügt“. All dies verpackt in Lyrik, Kurzprosa und Romanausschnitten.

Während der Pause und einer kredenzten kulinarischen Stärkung durfte vor Ort wie auch im Internet fleißig für seine Favoritin/seinen Favoriten abgestimmt werden. Und dann war es endlich so weit, die Finalist:innen sollten gewürdigt werden. Zunächst wurde der Jurypreis verliehen. Die Fachjury, dieses Jahr bestehend aus Diana Stübs (Lektorin im Rowohlt Verlag), Anke Jahns (NDR-Kulturredakteurin) und Thomas Kunst (Autor), war sich einig und ein klarer Sieger stand fand. Stellvertretend für die abwesenden Jurorinnen vergab Thomas Kunst den Literaturpreis Mecklenburg-Vorpommern 2020 an Tobias Reußwig für seinen Gedichtzyklus „Der Körper lügt“. Während die Jury den Text als „lyrisches Meisterwerk“ lobte, brachte der Sieger nur ein überraschtes „Freut mich“ hervor. Mit ihm freuten sich die restlichen Mitstreiter:innen. Zwischenzeitlich wurden die Publikumsstimmen – vor Ort und online – ausgezählt, so dass wiederum eine gespannte Stimmung herrschte. Der digitale Weg erwies sich als eine gute Möglichkeit, die Veranstaltung einem größeren Publikum zugänglich zu machen – über 400 Menschen sahen sich die Veranstaltung online an und stimmten ab. Platz 3 ging erneut an den Jury-Gewinner Tobias Reußwig, Platz 2 an die unverkennbar lesebühnenerfahrene Theresa Steigleder und Platz 1 ging an Peter Thiers mit „Oasen der Rechtwinkligkeit“ – ein klug aufgebauter Bericht eines Ich-Erzählers, der durch einschlägig kreuzförmige Schmierereien der dunklen Anziehungskraft des „H-Punkt“ erliegt und so zu ungewollter Berühmtheit gelangt. Mit Gratulationen und Sekt ging der stimmungsvolle Wettbewerb zu Ende und mit einem guten Gefühl löste sich die Gesellschaft im Neubrandenburger Nebel auf.

Lesungen und Siegerehrung

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Falls Sie bei der Lesung nicht dabei sein konnten oder sich diese noch ein weiteres Mal anschauen möchten, haben wir Ihnen nun die Aufnahme der Veranstaltung Literaturpreis M-V 2020 zur Verfügung gestellt.


Die Finalist:innen

Über 100 gültige Einsendungen gingen für den Literaturpreis Mecklenburg-Vorpommern 2020 ein. Anonymisiert wurden sie an die Jury versendet, die sich in einer ersten Auswahl auf 6 Texte einigte. Deren Verfasser:innen werden dann zum Finale nach Neubrandenburg eingeladen. Für alle Finalist:innen besteht die Möglichkeit, ihre Texte in einer Anthologie im Hinstorff Verlag (Rostock) zu publizieren.

Anke Bastrop, geboren in Halle/Saale, aufgewachsen in Parchim, studierte nach einer Ausbildung im Buchhandel Germanistik, Journalistik sowie am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Sie veröffentlichte Lyrik und Prosa in verschiedenen Anthologien und Literaturzeitschriften. Im Jahr 2013 erschien ihr Debütband „Pyrit“im Verlagshaus Berlin. Derzeit arbeitet sie an ihrer Dissertation und gibt Schreibwerkstätten für Kinder und Jugendliche. Anke Bastrop lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Schwerin. 

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Louise Gold, 1974 in Potsdam/Babelsberg geboren, studierte Film- und Theaterwissenschaften an der FU Berlin. Als Musikerin wurde sie mit den Projekten Recorder und Louise Gold & the Quarz Orchestra bekannt, bevor sie 2015 ihr Soloalbum „Terra Caprice“ veröffentlichte. Sie tourte mehrere Jahre mit ihren Bands durch Europa und die USA.
Mit ihrer Kurzgeschichte „Die Malaria von Pi“ gewann sie im März 2019 den Schreibwettbewerb „Text des Monats“ des Literaturhauses Zürich; der Text wurde 2020 in einer Anthologie veröffentlicht. Sie lebt in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin und arbeitet derzeit an ihrem ersten Roman.

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Nina Pohl wurde 1963 geboren und wuchs in Mecklenburg auf. Sie ist Diplom-Agrar-Ingenieurin. Lebensstationen waren Rostock, Berlin und Hohenbüssow. Sie hat einen Sohn. Sie schreibt seit 1980 Poesie, Tagebuch und Kurzprosa. Sie hat Poesiesalons und Schreibgruppen geleitet, redaktionell und editorisch gearbeitet und musikalisch-literarische Programme aufgeführt. Ausstellungen von Malerei, Collagen und Fotografie, Aktionskunst, kreative Projekte für Kinder und Jugendliche, Trommelworkshops und Trommel-Tanz-Rituale kamen hinzu. Seit 2004 ist sie freischaffend. Ihr Buch „Pilger auf dem Weg der Liebe“ erschien 2012 im NOTschriften Verlag Radebeul. Sie veröffentlichte Texte in Anthologien und Zeitschriften. Seit 2013 lebt sie in Roßwein/Sachsen, wo sie in der regionalen Kulturarbeit aktiv ist.

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Tobias Reußwig, 1989 in Hagen geboren, wuchs in Nienburg auf. Er studierte Germanistik, Skandinavistik und Literaturwissenschaft in Greifswald und arbeitet dort als freischaffender Dichter, Übersetzer und Nachhilfelehrer für Schüler aus sozialen Brennpunkten. Tobias Reußwig war 2015 und 2019 Stipendiat des Poetencamps MV sowie 2016 und 2017 Stipendiat des Hieronymus-Programms des deutschen Übersetzerfonds. Im Jahr 2017 gewann er den Zweiten Preis des Wettbewerbs „Weltoffene Universität“ der Universität Greifswald. Seit 2010 organisiert Tobias Reußwig Lesungen in verschiedenen Vereinen und Initiativen, u.a. bei pom-lit (Pommersche Literatur­gesell­schaft), Das stille Wörtchen, Lesen was auf den Tisch kommt, Weitergelesen!

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Theresa Steigleder, geboren 1990, wuchs in einem kleinen Dorf namens Schmiedefeld am Rennsteig im Thüringer Wald auf. Nach ihrem Bachelorstudium in Erfurt, zog sie 2013 nach Greifswald, um dort 2016 ihr Masterstudium der Vergleichenden Literaturwissenschaft abzuschließen. Im gleichen Jahr stand sie zum ersten Mal mit eigenen literarischen Texten auf der Bühne und tritt seitdem deutschlandweit auf Lesebühnen und Poetry Slams auf. Im Sommer 2017 gründete sie eine eigene Lesebühne in Greifswald, die seitdem monatlich im Jugendzentrum klex stattfindet. Sie beschäftigt sich mit gesellschaftlichen Umbrüchen, Umweltschutzthemen und Achtsamkeit. Wenn sie nicht gerade Workshops zum kreativen Schreiben gibt oder an ihrem Roman arbeitet, versucht sie, mit einer tanzbaren Kombination aus Techno und Lyrik die Herzen der Clubkultur zu erobern.

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Peter Thiers, geboren 1991, studierte Dramaturgie an der HMT Leipzig sowie der HfMT Hamburg. 2011 veröffentlichte er den mehrfach ausgezeichneten Poetry Film „Schlaf.Störung”, bis 2014 war er Mitglied der Leipziger Lesebühne Stubenreim. Für sein Theaterstück „Warten auf Sturm” erhielt er den Kleist-Förderpreis 2019. Sein neues Theaterstück „Paradiesische Bauten” wird in der Spielzeit 2020/2021 am Thalia Theater Hamburg zur Uraufführung kommen. Er lebt als Regisseur und Autor in Hamburg.

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Die Jury

Die Jurykonstellation selbst ist wie in jedem Jahr leicht verändert: Zum zweiten Mal vertreten sind die NDR-Kulturredakteurin Anke Jahns (Jurymitglied 2017) und der gebürtige Stralsunder Lyriker und Prosaautor Thomas Kunst (Jurymitglied 2018), zum ersten Mal in der Jury ist die aus Mecklenburg stammende Rowohlt-Lektorin Diana Stübs.

Diana Stübs, Jahrgang 1979, hat in Potsdam und Kristiansand Literaturwissenschaften, Politikwissenschaften und Soziologie studiert. Von 2003 bis 2013 hat sie als Literaturagentin für die Eggers & Landwehr KG bzw. die Agentur Petra Eggers gearbeitet. Seit 2013 ist sie Lektorin im Rowohlt Verlag, wird jedoch ab dem 1. Januar 2021 die Verlagsleitung des belletristischen Lektorats der Ullstein Buchverlage in Berlin übernehmen.

Anke Jahns, Jahrgang 1963, hat in Leipzig Journalistik studiert, bevor sie über Ungarn in den Westen flüchtete. Journalistisch war sie lange Zeit vor allem im Bereich Investigative Recherche tätig und produzierte Fernsehdokumentationen für NDR und ARD.
Ihre Buchempfehlungen werden in den Kultursendungen von NDR 1 / Radio MV und im Nordmagazin veröffentlicht. Unter den jährlich 90.000 deutschsprachigen Neuerscheinungen versucht Anke Jahns die Perlen herauszufischen, wenn möglich, mit Bezug zu Mecklenburg-Vorpommern. Nicht nur erzählende Prosa, sondern auch und gerade Lyrik spielt für sie eine wichtige Rolle.

Thomas Kunst arbeitet als Bibliotheksassistent der Deutschen Nationalbibliothek. Für seine literarischen Arbeiten wurde der Schriftsteller und Lyriker u.a. mit dem Lyrikpreis Meran, dem Lyrikpreis Dresden sowie Stipendien im Künstlerhaus Lukas in Ahrenshoop und der Villa Massimo in Rom ausgezeichnet. Der gebürtige Stralsunder lebt heute in Leipzig.


Die Orga

Die vier organisierenden Institutionen des Literaturpreises Mecklenburg-Vorpommern sind das Literaturzentrum Vorpommern im Koeppenhaus (Greifswald), das Künstlerhaus Lukas (Ahrenshoop), das Literaturhaus Rostock und der LiteraturRat Mecklenburg-Vorpommern e. V. Eine Anthologie mit den Texten aller Finalist:innen erscheint seit 2019 im traditionsreichen Hinstorff Verlag (Rostock).
 

Der Literaturpreis Mecklenburg-Vorpommern wird ermöglicht durch die Förderung des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern sowie durch einen privaten Sponsor. Die Organisatoren des Preises bedanken sich an dieser Stelle für die Unterstützung der Literatur in und aus Mecklenburg-Vorpommern.